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Leben und Leiden in Leipzig: Frauenärzt*innen Edition I

Von allen dummen Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe, war wohl zu einer Frauenärztin zu gehen, die ich nicht kenne, die dümmste.
Nachdem ich in meiner kompletten Teenager
Zeit jede beschissene Form der Pille ausprobiert habe und einfach keine geholfen hat (Eine machte mir Pickel, eine andere machte mir Kopfschmerzen, die letzte brachte mich mit 21 Jahren dazu, mich aufzuführen wie ein 16 Jähriges Mädchen), hatte ich mich mit 22 dazu entschlossen, mir eine Spirale einsetzen zu lassen. Aber nicht irgendeine, nein, vernünftig und erwachsen wie ich bin hab ich mir natürlich mehrere Optionen angeschau und mich dann nach langem hin und her und persönlichen Empfehlungen für die Gynefix entschieden. 

Zu diesem Zeitpunkt habe ich schon in Leipzig gelebt und hatte noch keinen Frauenarzt oder Ärztin hier gefunden. Ich ging immer noch regelmäßig wenn ich in München zu Besuch war zu der Ärztin meiner Wahl, der einzigen, die in der Lage ist, deinem Uterus das besondere Gefühl zu geben, mit Liebe und Aufmerksamkeit behandelt zu werden. Da es sich aber weder schickt noch empfiehlt so ungeniert ohne Verhütung durch die Weltgeschichte zu laufen, habe ich einfach wahllos Frauenärzte und Ärztinnen in Leipzig angerufen, denn Aufschieben ist keine Option. Nach 200 Telefonaten mit allen Leipziger Praxen, die mir damals kollektiv Termine für 2017 anboten, fand ich dann doch endlich eine, die mich gewähren ließ. Eine in Lößnig.

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Sinnbild: Lößnig. Foto: André Kempner

Ich hätte stutzig werden sollen, als sie mir sagten dass sie direkt diesen Nachmittag noch einen Platz hätten. Dann hätte ich mir vielleicht überlegen sollen, wie gut diese Praxis sein kann, als ich in Lößnig zwischen den Plattenbauhochhäusern stand und sie sich im Untergeschoss eines dieser abartig hässlichen Gebäuden befand und ein Fenster einen gefährlichen Riss im Glas hatte. Zu allem Überfluss kam mir natürlich aus der Praxis eine Frau mit pink-lilanen Strähnen im Haar und einem wild keifenden Kind entgegen und betrachtete mich dem verachtendem Blick, den nur alteingesessene echte Leipziger gegenüber den kackbratzigen Wessi-Studenten haben können.
Aber Vorurteile sind blöd und so bin ich ja nicht, und so will ich ja auch gar nicht sein.

Als ich endlich aus dem endlos deprimierenden Wartezimmer mit den endlos deprimierenden Menschen in das Untersuchungszimmer durfte, begrüßte mich eine doch recht nette Erscheinung von älterer Dame, die einen fröhlichen Optimismus ausstrahlte. Na, dachte ich mir in meinem Gutmenschentum, mal wieder alles richtig gemacht. ICH habe mich NICHT abschrecken lassen von Umgebungen! ICH bin ein richtig guter Mensch! Ich nahm mir vor, darauf ein Bier trinken zu gehen.

Ich erklärte ihr mein Anliegen. Sie nickte viel. Ich sagte Dinge wie „Gynefix“, und „So ein Ding mit so Kugeln dran, und das ist dann besser als die Spirale, aber auch Kupfer oder so.“ und sie nickte weiterhin viel. Irgendwann sagte sie: „Naja, Sie meinen die Kupferspirale.“
Meinte ich nicht.
Aber das wusste ich nicht.
Ich war unsicher, sie war die Ärztin, ich schenkte ihr mein unendliches Vertrauen.

„Ja.“ Sagte ich also, um sie damit zu beeindrucken, dass ich auch ein sehr sicherer Mensch in meinen Entscheidungen bin. Sie ging aus dem Zimmer und kam mit einem Angelhaken wieder, der, wie sich dann herausstellte, die Spirale war.

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Eine Kupferspirale. Foto: Google Bildersuche Seite 1

Ich war mir schon ziemlich sicher, dass es nicht das war, wovon mir diverse Freundinnen so vorgeschwärmt hatten, es ähnelte in keiner Weise dem filigranen, einfachen Ding, das sich liebevoll in deinen Uterus hineinschmiegt. Es sah mehr nach einem Gerät aus, was mit purer Gewalt versuchen wird, Krieg gegen meine Eierstöcke zu führen, und dabei noch den entscheidenden Vorteil hat, dass es in Wirklichkeit ein Angelhaken ist.

Aber: Ich war unsicher, sie war die Ärztin, ich schenkte ihr mein unendliches Vertrauen.

Und so lag ich dann ihr ausgeliefert auf der Bahre und sie rammte mir dieses höchst aggressive Ding in den Unterleib. Es lebte jetzt in mir. Es war dafür verantwortlich, dass ich gefälligst nicht schwanger werde, und somit war ich dem Angelhaken auch ein wenig dankbar.
Zwar war ich unsicher, aber er war der Angelhaken und ich schenkte ihm mein unendliches Vertrauen.

So viel zu meinem Vertrauen.

Teil zwei dieser Geschichte ist hier zu finden.

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